„Mit Religionen im Dialog“ – Veranstaltungen mit Religionsgemeinden, Bezirksbürgermeister und Stadträt*innen 2021

Teil 2 6.8.2021, 17-20 Uhr, Thema: Jugend- und Bildungsarbeit

Das zweite Treffen der dreiteiligen Reihe von Begegnungen zwischen Religionsgemeinden, dem Bezirksbürgermeister von Mitte und Stadträt*innen fand in den Räumen der Moscheegemeinde IZDB e.V. in der Drontheimer Str. 32A statt. Dennis Kirschbaum (JUMA e.V.) leitete das Thema des Abends mit einem kurzen Input ein. Bereits an dieser Stelle wurde deutlich, dass muslimische Jugendarbeit komplex und vielfältig ist und ihren Ursprung zwar in der bekenntnisorientierten Gemeindearbeit hat, heute aber auch konfessionsübergreifend (wie bei JUMA) betrieben wird. In diesen religionspolitisch nicht aktiven muslimischen Vereinen stehen jugendpolitische Themen wie Identität und Diskriminierung im Vordergrund.

Sowohl konfessionell gebundene als auch konfessionsübergreifende Jugendarbeit steht vor ähnlichen Herausforderungen: Wie kann man junge Menschen längerfristig binden? Wie begegnet man finanziellen und räumlichen Bedarfen? Da der Islam keine anerkannte Religionsgemeinschaft in Deutschland ist, sind muslimische Gemeinden auf Spenden bzw. die Kollekte beim Freitagsgebet angewiesen. Überkonfessionelle Träger der Jugendarbeit stützen sich finanziell häufig auf Projektförderung, jedoch ist diese Art der Finanzierung zeitlich begrenzt und oft mit Unsicherheiten verbunden. Auf die Frage seitens der Stadträtin Ramona Reiser, woran es liege, dass muslimische Religionsgemeinschaften in bestehenden Gremienformaten kaum vertreten sind, erwiderte Bettina Pinzl, dass solche AGn meist aus Zeitgründen von Ehrenamtlichen nicht besucht werden können. Die Stadträtin betonte, dass seitens des Jugendamtes großes Interesse bestehe, muslimische Jugendarbeit kennenzulernen und diesbezüglich Vernetzung herzustellen. Bezirksbürgermeister Herr von Dassel bestätigte, dass der Kontakt zu muslimischen Jugendhilfevereinen noch nicht optimal sei.

Iman Reimann (Deutsches Muslimisches Zentrum Berlin e.V.) wies darauf hin, dass muslimisches Leben in Deutschland noch jung sei und ehrenamtliches Engagement eine der Grundsäulen der Gemeindearbeit darstelle. Leider führe dies oftmals zu permanenter Überforderung der Ehrenamtlichen, beispielsweise im Beratungskontext (Mütter-, Eltern- und Eheberatung, Seniorenberatung und Angebote für Kinder/Jugendliche) . Als Herr von Dassel fragte, warum Gemeindemitglieder mit Beratungsanliegen nicht zum Bezirksamt kämen und ob es an Sprachbarrieren läge, legten mehrere Gemeindevertreter*innen dar, dass dies in erster Linie an schlechten Erfahrungen (Diskriminierungserfahrungen oder Vorbehalten) läge. Eine große Rolle spielt auch das persönliche Vertrauen, das die Bürger*innen gewohnten Ansprechpersonen aus dem eigenen sprachlichen und kulturellen Herkunftskontext entgegenbringen. Hier findet in den Gemeinden und auch Beratungsstellen anderer Vereine viel Beziehungsarbeit statt. Im Kontakt zwischen Verwaltung und muslimischen Bürger*innen sei das gegenseitige Verständnis und Vertrauen nicht immer gegeben. Iman Reimann betonte, dass es sowohl neue Formate religionspädagogischer Angebote und themenspezifische muslimische Vereine braucht.

Im Gespräch darüber, wie Angebote der Verwaltung verbessert werden könnten, um solche Erfahrungen zu vermeiden und wie Mitarbeitende das Wissen erlangen könnten, welches dafür nötig wäre, kamen Vorschläge wie Gemeindebesuche, Info-Abende, niedrigschwellige Informations- und Beratungsangebote zur Sprache. Zudem wurde betont, dass die Verwaltung personell die Bevölkerung widerspiegeln müsse, damit eine Identifikation mit den Ansprechpersonen möglich sei. Strukturen und Angebote in verschiedenen Sprachen seien unerlässlich. Dass die Verwaltung in ihren Funktionen dennoch neutral bleiben müsse, wurde ebenfalls unterstrichen. Es herrsche eine große Offenheit, Lernbereitschaft und gegenseitiges Interesse.
Als wirkungsvolle Mittel, um gegenseitiges Verständnis zu fördern, wurden kultursensible und interreligiöse Trainings oder Antidiskriminierungs-Workshops für Verwaltungsmitarbeiter*innen, genauso wie Informations- und Beratungsangebote der Verwaltung in den Gemeinden genannt. Sowohl die Stadträtin als auch der Bezirksbürgermeister betonten, dass sie für einen direkten Kontakt jederzeit offen seien. Insbesondere konkrete Beispiele von Familien bzw. Fällen, in denen Dinge nicht gut gelaufen sind, seien wichtig und werden stets gelesen und beantwortet, so Herr von Dassel. Frau Reiser bekräftigte ihr Interesse, Moscheegemeinden zu besuchen und dort auch tiefere Einblicke in die Kinder- und Jugendarbeit zu bekommen. Die Durchführung von Bürgersprechstunden in den Räumen der Moscheegemeinden sei ebenfalls möglich. Wir danken allen Teilnehmenden für den bereichernden Austausch, der Lust auf die Fortsetzung am 26. August und darüber hinaus machte.